Über Grenzen und diesen „man“, der so vieles nicht macht

 

Persönliche Grenzen... Wo ist eigentlich meine persönliche Grenze? Um eine solche zu setzen, muss ich diese selbst erst einmal spüren. Das ist leider etwas, was vielen von uns sehr schwer fällt, da wir in unserer eigenen Kindheit häufig unsere persönlichen Grenzen nicht wahren durften. Ich sollte also erst einmal anfangen aufmerksam beobachten, wo genau meine Grenzen liegen, denn es ist wichtig unseren Kindern frühzeitig eine Rückmeldung zu geben und nicht zu warten bis die Grenze so weit überschritten ist, dass wir nicht mehr wertvoll kommunizieren können. 

 

Im Alltag mit unseren Kindern kommen wir immer wieder in Situationen, in denen wir eine Grenze aufzeigen wollen oder wir unserem Kind etwas über unsere Werte sagen wollen. Oft geschieht es dann, dass wir dem Kind mitteilen, dass „man“ dies oder jenes nicht macht. Aber wer ist dieser „man“, der so vieles nicht macht? Und wenn „man“ einfach jeder ist, dann ist das faktisch nicht richtig, denn das Kind hat es ja soeben getan. Dieses Konstrukt ist für Kinder nicht greifbar und schwer nachvollziehbar. Wenn wir unser Kind also darauf hinweisen wollen, dass uns etwas wichtig ist oder eine Grenze erreicht ist, ist es wichtig dafür die Verantwortung zu übernehmen. 
 
 

Aber wir mache ich das? Verantwortung für meine Grenzen und Werte zu übernehmen. Es ist eigentlich ganz leicht. ICH stehe dafür ein. Das heißt, ich kommuniziere einfach in der Ich-Form. So kann das Kind klar erkennen, dass mir etwas wichtig ist und ich ihm etwas mitteilen möchte. 
 „ICH möchte nicht, dass du die Katze durch die Wohnung jagst, das macht der Katze Angst“ etc.

 

Ein wertvolles Beispiel für die Übernahme der Verantwortung ist Lautstärke. Ist der Lärmpegel, den das Kind verursacht zu viel für MICH, dann darf ich das dem Kind auch mitteilen. ABER es ist mein Empfinden und meine Verantwortung mit diesem Empfinden umzugehen. Heißt also, ich teile meinem Kind mit, dass es MIR hier gerade zu laut ist und nicht, dass das Kind zu laut ist. Es macht einen Unterschied, ob ich meinem Kind meine persönliche Lautstärkengrenze mitteile oder ob ich dem Kind mit einem „Du bist zu laut“ kommuniziere, dass es ist falsch, so wie es gerade ist. 

 

Durch die Übernahme der Verantwortung für deine Empfindungen, Grenzen und auch Wünsche wird dein Kind eine neue Botschaft empfangen, die es viel besser verarbeiten und einordnen kann.
 
 Probiere es doch einfach mal aus :) 

 

#bindungsorientiert #elternsein #kinder #grenzenliebevollsetzen #attachmentparenting #liebe #selbstfürsorge #kinderbesserverstehen #gewaltfreiekommunikation 

Bindungsorientierte Elternschaft - Wie geht es weiter? 

In meinem letzten Artikel schrieb ich über die Basis der bindungsorientierten Elternschaft, über die Werkzeuge, die uns helfen können eine sichere Bindung zu unseren Babys aufzubauen. 
 
 Aber wie geht es weiter? Irgendwann stillen die Kinder ab, schlafen im eigenen Bett, Laufen und brauchen nicht mehr getragen zu werden. Trotzdem ist es wichtig weiterhin in Beziehung mit unseren Kindern zu bleiben und die Bindung weiter zu stärken.


Ich persönlich fand es verhältnismäßig leicht dem Baby seine Bedürfnisse zu erfüllen. Das hilflose kleine Wesen, das den Körperkontakt so sehr braucht, sich noch nicht anders als mit Schreien ausdrücken kann. Aber was ist mit dem wütenden Kleinkind, dass sich mehrmals täglich auf den Boden wirft und tobt, dem uneinsichtigen Schulkind, dass mit seinen Worten vielleicht verletzt oder kränkt… 


Diese Verhaltensweisen fordern uns nochmal auf einer ganz anderen Ebene heraus. Stets in dem Verhalten der Kinder das dahinterliegende Bedürfnis zu erkennen, in Beziehung zu gehen und mit Empathie und einer zugewandten Haltung darauf einzugehen, ist nicht immer einfach. Ihnen keinen „bösen Willen“ in ihren Handlungen zu unterstellen, sondern wahrzunehmen, dass die Kinder uns so mitteilen wollen „Mir geht es nicht gut, ich bin überfordert, bitte hilf mir“.
 
Aber was heißt das konkret? Heißt das ich soll jedes Verhalten des Kindes „dulden“, nie eine Grenze setzen? Ganz und gar nicht!! Aber eine persönliche Grenze authentisch zu kommunizieren kann und muss geschehen ohne aus der Beziehung zu gehen und ohne psychische oder physische Gewalt anzuwenden. Denn anderenfalls wird auch kein soziales Lernen passieren, es wird maximal gelernt Gefühle zu unterdrücken, aus Angst vor dem Verlust der elterlichen Zuwendung. 


Es ist also essentiell für unsere Kinder, dass wir sie unterstützen und begleiten, indem wir ihnen beistehen, wenn ihre Welt mal wieder aus den Fugen gerät, statt sie mit Ablehnung oder Bestrafung mit ihrer Überforderung alleine zu lassen. Damit setzen wir einen wichtigen Grundstein für ihre emotionale und soziale Entwicklung. 


Zum Schluss noch eine Sache, die mir am Herzen liegt. Es ist wundervoll, aber auch anstrengend sich mit den Kindern auseinander zu setzen, ihren Frust aufzufangen, da zu bleiben und sich nicht abzuwenden. ABER!! Jeder von uns ist nur ein Mensch und nicht perfekt. Wir können nicht immer so agieren, wie wir es gerne möchten. Aber auch diese Situationen sind als wertvolles Lernfeld in der Eltern-Kind-Interaktion zu sehen. Es ist wichtig für die Kinder zu erleben, dass auch Erwachsene Fehler machen, dass diese zum Leben dazu gehören und wie man damit umgehen kann. In unserem Fall heißt das, dass ich mich bei meinen Kindern entschuldige und wir darüber sprechen.  
 
 

Bindungsorientierte Elternschaft Attachment Parenting

Bindungsorientierte Elternschaft 

 …was ist das eigentlich? Ist es eine weitere Methode um Kinder zu erziehen? Eine neumodische Erscheinung?

Oder geht es vielmehr um eine Haltung? Eine Haltung gegenüber anderen Menschen. Eine Haltung, welche zu einem friedvolleren Miteinander führt, besonders innerhalb der Familie, im Umgang mit den kleinen Menschen, die uns anvertraut sind und für die wir uns nur das Beste wünschen. Es geht also viel mehr um die Beziehung zu unseren Kindern, als um deren Erziehung.
Ein Bekannter gab mir einmal einen kleinen Zettel auf dem Stand „Erziehung ist Liebe und Beispiel, nicht mehr“. An diesen Zettel musste ich im Laufe meiner Jahre als Mutter oft denken und kann dem nur zustimmen. Es geht darum den Kindern authentisch die eigenen Werte vorzuleben und ihnen das Gefühl zu geben, geliebt zu werden. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. 

William Sears, der Begründer des Attachment Parenting (zu Deutsch: bindungsorientierter Elternschaft) beschreibt die sieben B`s als die Werkzeuge im Umgang mit unseren Kindern.

1.       Birth Bonding (direkter Körperkontakt nach der Geburt)

2.       Breastfeading (Stillen)

3.       Babywearing (Tragen des Babys am Körper)

4.       Bedding next to Baby (Familienbett)

5.       Belive in the language value of your babys cry (Glaube an 
          die Kommunikation des Babys über das Schreien)

6.       Beware of baby trainers (Meiden von 
          Babytrainingsprogrammen, Schlaftraining…)

7.       Balance (Ausgeglichenheit der Bedürfnisse ALLER 
          Familienmitglieder)

Diese 7 Werkzeuge sind hilfreich, da alle die Entstehung einer sicheren Eltern-Kind Bindung unterstützen. Trotzdem ist jede Familie anders, jedes Kind ein Individuum. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, den man wie nach Anleitung Schritt für Schritt befolgen kann. Diese Werkzeuge sind weder als Garantie für „Erfolg“ zu sehen, noch führt das Fehlen von bestimmten Punkten zum „Misserfolg“. Auch ein Baby, welches nicht gestillt werden kann, kann eine sichere Bindung aufbauen, etc. 

Bindungsorientierte Elternschaft bedeutet für mich, dass Eltern feinfühlig auf die Bedürfnisse und Kommunikationsversuche des Babys reagieren und dabei lernen, wieder mehr auf das eigene Gefühl zu vertrauen und so in Beziehung mit ihren Babys gehen können, statt die Angst vor dem „verwöhnten Baby“ übermächtig werden zu lassen.